Was machen 50 Piraten aus ganz Deutschland – auf Einladung aus Wuppertal und Soest – ein Wochenende lang in einer Jugendherberge? Sie lauschen Vorträgen, diskutieren kontrovers, aber ergebnisorientiert über Sozialpolitik und haben nebenbei auch noch viel Spaß. So geschehen am 2. und 3. April im westfälischen Soest beim bundesweiten sozialpolitischen Barcamp.
Das Bedürfnis sich dieses Themas anzunehmen war in der Partei schon länger präsent und spätestens beim letzten Bundesparteitag in Chemnitz wurde klar, dass die Piraten sich um das Thema Sozialpolitik kümmern müssen. Dort verständigte man sich nämlich darauf, eine sehr starke Aussage in das Grundsatzprogramm mit aufzunehmen: das Recht auf sichere Existenz und gesellschaftliche Teilhabe. Bei der von der AG Sozialpolitik organisierten Veranstaltung ging es nun darum, die Ausgestaltung dieser Aussage voranzutreiben.
In entspannter Atmosphäre waren also interessierte Piraten zusammengekommen um sich mit gesellschaftsrelevanten Themen auseinander zu setzen. In verschiedenen Gruppierungen hatten sich alle bereits mit dem Thema Sozialpolitik bei den Piraten beschäftigt. Besonders spannend bei der Zusammenkunft war, die unterschiedlichen Herangehensweisen an die Probleme der Sozialpolitik zu erörtern und unter einen Hut zu bekommen. So bestand dann auch das Ziel nicht darin, ein komplettes Programm auszuarbeiten, sondern eher darin eine gemeinsame Linie zu finden sowie so viele Ideen wie möglich zu sammeln, auszutauschen und zu analysieren. Und in vielen Punkten fand man tatsächlich Konsens. So holten die Piraten Meinungsbilder über verschiedene Vorgaben ein, denen die Sozialpolitik der Piraten gerecht werden muss. Dazu gehören eine hohe Datensparsamkeit und möglichst wenig Überwachungsmaßnahmen genauso wie kein Zwang zur Arbeit und eine solide Gegenfinanzierung. Außerdem konnte man sich mit großer Mehrheit auf einige Sofortmaßnahmen zur Humanisierung von Hartz IV einigen wie das Auflösen der Bedarfsgemeinschaften und bessere Zuverdienstmöglichkeiten.
Mit Konsens in vielen wichtigen Punkten verabschiedete man sich am Sonntag und wohl jeder machte sich mit viel neuem Input auf den Nachhauseweg. Die Piraten werden also weiter am wichtigen Thema Sozialpolitik arbeiten und man darf auf Ergebnisse gespannt sein – zumal der Wunsch nach einem erneuten Barcamp zum Thema laut wurde. Für Mitorganisator Olaf Wegner aus Wuppertal war das Wochenende ein voller Erfolg: „Seit dem Sozicamp bin ich der festen Überzeugung, dass es den Piraten gelingen wird, bis zur nächsten Bundestagswahl ein gerechtes und auf Fairness und Eigenverantwortung aufbauendes Sozialprogramm zu erarbeiten“, zieht er zufrieden sein Fazit.
Auf dem Bundesparteitag der Piratenpartei am 14./15. Mai in Heidenheim stehen unter anderem die Vorstandswahlen auf der Agenda. Ein Kandidat wird Olaf Wegner aus Wuppertal sein. Im Interview erzählt er, für welche Ämter er kandidiert, was seine Pläne und Wünsche für die Partei sind und was er als Vorstandsmitglied erreichen will.
Eine Reportage über einen Stapellauf, viel Müll, seichten und tiefen Gewässern.
Samstag, der 26.03.2011 es ist Picobello-Tag in Wuppertal, etwa 10.000 Menschen beteiligen sich an der städtischen Aktion, die Stadt vom Müll zu befreien und das Bewusstsein für die Umwelt zu schärfen.
Da die Piratenpartei für Bürgerbeteiligung steht und seit einigen Monaten auch das Thema Umwelt in ihr Parteiprogramm aufgenommen hat, ist es ein Selbstverständnis sich für die Stadt am Picobello-Tag zu engagieren.
Michael Lutz vom Ressort Umweltschutz und Umweltberatung war sehr zufrieden mit dem zum vierten Mal stattfindenden Müllsammeltag im Tal. Neben der Reinigung der Stadt war es ihm wichtig, dass durch diese Aktion die Bürger der Stadt in punkto “spontaner” Müllentsorgung sensibilisiert werden.
Mit dieser “spontanen Müllentsorgung” hatten auch etwa 15 Aktivisten der Bergischen Piratenpartei zu kämpfen. Die zum ersten Mal angetretenen Piraten bauten in etwa 30 Arbeitsstunden ein Floß mit großem Segel und einem Mast, den man vor Brücken einklappen kann.

Am Samstag wurden dann um 9.00 Uhr die Wathosen aus NVA-Bestand angezogen und erste Gehversuche in der Wupper unternommen. Eine Stunde später war es dann soweit, der Stapellauf nahte. Angelockt vom Boot kamen etliche Bürgerinnen und Bürger, um diesem Ereignis beizuwohnen. Hält es – schwimmt es oder sinkt es gar?
10.15 Uhr: Jubel brandete auf, die Bergischen Piraten haben endlich ihr eigenes Schiff und es schwimmt!
Danach ging es an die Arbeit und die hatte es in sich, Meter für Meter arbeiteten sich die Aktivisten vor, der leichte Müll bestehend aus Dosen Flaschen und Tüten ging noch, schwieriger wurde es, als “Schätze” bestehend aus Bauzäunen, Schildern, Rohren und Kanaldeckeln gehoben wurden. Es ist wirklich erschreckend, was unsere Mitmenschen so alles mal eben spontan entsorgen, ohne sich über die ökologischen Folgen klar zu werden.
Bereits nach einer Stunde musste das Boot entladen werden, da die Fahrrinne der Wupper den Tiefgang mit dem ganzen Metall auf dem Boot nicht mitmachte. Also wurden alle Schätze über ein Baugerüst auf die 4 Meter über der Wupper liegende Straße gehievt.
11.30 Uhr: Das Boot war nun wieder leer, nur machten sich erste Ermüdungserscheinungen bei den Aktivisten breit. Aber Piraten halten durch!
Nach 2 Stunden Flussabwärts kam ein Anruf des WDRs. Mit der Aussicht mal ins Fernsehen zu kommen, wurden weitere Energiereserven freigesetzt, allerdings stand das größte Problem den Piraten noch bevor:
Die Schwebebahnbaustelle am Landgericht. Eine absolute Herausforderung für das Navigationsteam.
Zunächst musste das ganze Boot wieder von diversen Fundstücken befreit werden, denn irgendwer hatte doch tatsächlich mit schweren Säcken eine Staustufe gebaut, über die das ganze Boot gehoben werden musste.
Weiter ging es so flach, so das dass Floß gezogen und geschoben werden musste. Dann ein Schrei von vorne, dass es ein wenig tiefer wird – ein wenig tiefer für den Rufer auf der rechten Seite vielleicht. Für die drei Piraten hinten und links war “ein wenig” dann so, dass man plötzlich bis zum Bauch im Wasser stand und sich nun in den Wathosen ein Biotop bilden konnte, da sie komplett voll gelaufen waren…
Nach weiteren 30 Minuten kamen die Aktivisten nun endlich zum Treffpunkt, um ihr Floß einer breiten Öffentlichkeit zu präsentieren. Doch in den Gesichtern war Entsetzen zu sehen. Was war passiert?
Ausgerechnet nach der letzten Brücke ist das passiert, was Piraten nun gar nicht abkönnen – der Mast war beim Hochklappen gebrochen… Super Timing, dieses Bild mit frustrierten Aktivisten und einem Floß mit gebrochenem Mast sollte nun in die Welt gesendet werden? Dem Mitstreiter McGiver war es zu verdanken, dass der Mast mit zwei Stöcken und vielen Kabelbindern wieder so hergerichtet werden konnte, dass der Mast wie eine eins stand.
Nach dem dann erfolgreichen Pressetermin konnten sich die Aktivisten wieder ihrer eigentlichen Aufgabe widmen, dem Müll sammeln.
Nun, mittlerweile 4,5 Stunden in und auf dem Wasser- der Hafen Kluse kam in Sicht. Ein engagiertes Backgroundteam erwartete die nun doch etwas müden Freibeuter mit Gegrilltem und Flüssigem, um sie wieder zu stärkten und zu motivierten, den letzen Kilometer bis Ohligsmühle auch noch zu schaffen.
Die Motivation war auch sehr wichtig , denn an der Kluse konnte man das Floß nicht aus dem Wasser heben. Selbst der ganze Müll musste weiter auf dem Floß verbleiben.
Unter Winken und aufmunternden Gesten vieler staunender Passanten stach man wieder zur letzten Etappe in See.
17.00 Uhr – 7 Stunden nach dem Stapellauf war das Ziel der Piraten, die Ohligsmühle, erreicht.
Was bleibt? Eine schöne Aktion, die allen Beteiligten und sehr vielen Passanten einen riesen Spaß gemacht hat. Die Wupper ist nun auf einem Stück etwas sauberer.
Politisch hat die Piratenpartei auch Flagge gezeigt, allen ist gezeigt worden, dass Bürgerbeteiligung und -engagement besonders in Zeiten knapper Kassen ein wichtiges Gut ist. Genau dafür steht die Piratenpartei und an diesem Tag auch tausende WuppertalerInnen.
Alexander Reinshagen
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