Am 23.09.2009, am Mittwoch vor der Bundestagswahl, besuchte die Bundeskanzlerin Angela Merkel im Rahmen ihrer Wahlkampftour das schöne Bergische Land. Gegen 17 Uhr betrat sie den Johannes-Rau-Platz in Wuppertal-Barmen und wurde von etwa 2000 Bürgern, darunter geschätzten 50-60 Piraten mit ca. 20 Fahnen und einem Banner mit dem Schriftzug “www.wir-haben-die-kraft.de” begrüßt. Neben den Piraten waren auch einige Aktivisten von Greenpeace, der IGM und der Aktion “Wuppertal wehrt sich” anwesend. Geschätzte 50-75 Flashmobber, die laut unseren Informationen von JuSos und JuLis unter anderem über StudiVZ und Twitter zum “Yeahh!”-Rufen aufgefordert wurden, waren ebenfalls mit ihren “Yeahh”-Schildern anwesend.

Dass Frau Merkel nicht glücklich über uns (zu erkennen an den Piratenflaggen) war, sah man ihr schon beim Betreten der Bühne auf der Großleinwand an. Aus Erfahrungen anderer Veranstaltungen, wusste sie schon was auf sie zukommen sollte.

Mit einem unglücklichen Gesicht begann sie ihre Rede und begrüßte sogar ihre “Gegner” mit: “Da sind ja wieder meine Freunde aus dem Internet”; zusätzlich versuchte sie die Situation mit den Worten: “Passen Sie mal auf, wenn ich mitmache und nach jedem Satz Yeah sage”, aufzulockern. Der Moderator fügte hinzu : “Ja, die Fangemeinde wächst eben.”

Ja, “die Fangemeinde” war da – und am Anfang der Rede begannen die Flashmobber mit ihren doch eher sinnlosen “Yeahh!”-Rufen. Aber da wir (Piraten) bekanntlich die Kraft haben und die Flashmobber ziemlich zwischen, und um uns herum, standen, nahmen wir kurze Zeit später das Ruder selbst in die Hand. Aus dem Yeah-Protest wurde kurzerhand eine Demonstration seitens der Wuppertaler- und der angereisten Piraten. Die “Yeahh!”-Rufe wurden weniger und man hörte hauptsächlich aussagekräftigere Statements. Darunter hauptsächlich: “Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Freiheit klaut!”, “Grundgesetz!” und ”Bildung für alle, und zwar umsonst!” Alles untermalt mit einem spontanen “Piraten!”-Ausruf. Das CDU-Team versuchte vergeblich mit einer deutlichen Erhöhung der Lautstärke ihrer Anlage dagegen anzugehen, so dass Frau Merkel lediglich Aussagen wie “Die jungen Leute sollten doch einfach ein bisschen besser zuhören. Dann könnten sie was fürs Leben lernen. Aber wir setzen das ins Internet. Dann können sie’s später nachlesen.” und “Die, die schreien, sind wahrscheinlich nicht eingeschlossen, aber Sie erinnern sich an den 9. November ‘89. Es war nicht immer so, dass man sagen konnte, was man wollte, wie heute.” blieben.

Während und lange nach der Veranstaltung haben viele Piraten Flyer verteilt und Dialoge mit interessierten Bürgern geführt. Darunter mit sehr vielen älteren Leuten, die uns nach ihren Aussagen gut fanden. Viele Mitbürger erhofften sich Protest, dem wir – unserer Meinung nach – mit der spontanen Demonstration nachgekommen sind: Wir waren da, wir waren laut, weil man uns die Freiheit klaut!

Den Abschluss begingen die Piraten in ihrem Stammlokal mit einem spontanen Stammtisch.